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Werk

Der große Erfolg des Micky-Maus-Magazins in Deutschland verdankt sich zu großen Teilen dem sprachlichen Genie seiner Übersetzerin.

Erika Fuchs beschränkte sich nicht darauf, die Geschichten zu übersetzen. Sie übertrug sehr frei und setzte damit eigene Akzente. Besonders die Entenhausen-Geschichten des Zeichners Carl Barks lagen ihr am Herzen. So nahmen in der deutschen Ausgabe des Micky-Maus-Magazins die Enten immer mehr Raum ein als die Mäuse. Man könnte sagen, Erika Fuchs lehrte Donald das Quaken.

Erika Fuchs gab jeder Ente einen eigenen Sprachstil, um ihren jeweiligen Charakter zu betonen. Dagobert als würdiger alter Herr spricht stets grammatisch korrekt und weiß jeden Genitiv und Konjunktiv zu setzen. Oma Duck, die jede technische Neuerung auf ihrem Bauernhof ablehnt, redet auch altertümlich. Der launische Donald schwankt zwischen übertrieben poetischen Phrasen und Wutausbrüchen. Die Panzerknacker palavern im Ganovenjargon mit berlinerischem Einschlag. Tick, Trick und Track verwenden eine flotte Jugendsprache, die Erika Fuchs noch im hohen Alter in der Straßenbahn belauschte, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

Fuchs und Barks
© ehapa

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Besonders berühmt wurde ihr Stilmittel des Inflektivs – ihr zu Ehren auch Erikativ genannt. Die Verkürzung von Verben auf ihren Stamm ist in der deutschen Grammatik eigentlich nicht vorgesehen, gehört heute jedoch zur Alltagssprache: grübel, grübel und studier. Lautmalereien dagegen ahmen Geräusche nach: Peng, Krawumm und Klickeradoms – letzteres eine Anleihe bei Wilhelm Busch, dem Vater der deutschen Bildergeschichte. Auch Goethe und Schiller streute die hochgebildete Erika Fuchs gern in die Geschichten ein.

Zudem verankert sie das fiktive amerikanische Duckburg fest in Oberfranken. Sie benannte Orte, Berge und Seen nach realen Örtlichkeiten ihrer Umgebung: Onkel Dagobert besitzt einen Skilift am Ochsenkopf, die Familie macht Ferien am Fichtelsee, die Neffen rodeln im Paulahölzchen. Ortsnamen wie Schnarchenreuth, Kleinschloppen oder Bobengrün fand Erika Fuchs in der Umgebung. Vielen Schwarzenbacher Geschäften, Handwerkern und Ärzten setzte sie ein literarisches Denkmal, indem sie ihre Namen in die Welt von Entenhausen übernahm.

Dreißig Jahre lang übersetzte Erika Fuchs Geschichten aus Entenhausen. Nachdem sie zunächst sämtliche Geschichte des Micky-Maus-Magazins übersetze, beschränkte sie sich ab Mitte der 70er Jahre auf die Geschichten von Barks. Erst im Alter von 80 Jahren zog sie sich von der Arbeit zurück. Einige Jahre übersetzte sie noch alle restlichen bislang noch nicht auf Deutsch erschienenen Geschichten von Carls Barks. Somit liegt nun das gesamte zeichnerische Werk von Barks in der Übersetzung von Fuchs vor. Die beiden trafen sich nur ein einziges Mal, als beide längst im Ruhestand waren.

In den 50er und 60er Jahren wurden Comics noch belächelt, als Schund betrachtet oder gar als jugendgefährdend verdammt. Doch bald wurde die besondere Qualität der Fuchs’schen Übersetzungen anerkannt. Eine eigene Fangemeinde bildete sich, die D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus), deren Mitglieder sich der Erforschung des gemeinsamen Werks von Barks/Fuchs widmen. Zitate und Aussprüche, die sie den Figuren in den Mund legte – oder besser gesagt, in die Sprechblasen schrieb -, fanden ihren Weg in die Feuilletons. Erika Fuchs registrierte diese Aufmerksamkeit amüsiert.
1994 erhielt Erika Fuchs ihre erste literarische Auszeichnung, den Kleinkunstpreis Morenhovener Lupe. Die Laudatio anlässlich der Preisverleihung hielt die Literaturkritikerin Elke Heidenreich. 2001 folgte der Heimito-von-Doderer-Literaturpreis für ihren Beitrag zur Entwicklung der deutschen Sprache. Im gleichen Jahr wurde ihr auch der Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim für herausragende literarische Leistungen von Frauen verliehen. Bereits 1991 nahm der Maler Gottfried Helnwein sie in seinen Gemälde-Zyklus „Die 48 bedeutendsten Frauen des Jahrhunderts“ auf. Der Musiker Farin Urlaub („Die Ärzte“) widmete ihr sein zweites Solo-Album.